Blutdruck-Feedback Muskeltraining und Elektrostimulation Biofeedback steigert die Konzentration

Hochempfindliche Sensoren, superschnelle Datenverbindungen, ein Bildschirm zur Wiedergabe der Messdaten. Kurz gesagt, die ganze moderne Technik macht Biofeedback möglich. Damit eröffnet sich für viele Krankheiten eine zusätzliche Behandlungsmethode - auch ohne Medikamente.

Über viele Funktionen unseres Körpers bekommen wir durch Sinnesorgane Informationen vermittelt. Zum Beispiel beim Sprechen über das Gehör und beim Schreiben über das Sehen. Dadurch können wir das Ergebnis unserer Bemühungen beobachten und wenn wir damit nicht zufrieden sind, korrigieren.

Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe von Körperfunktionen, die unbewusst ablaufen, etwa der Pulsschlag, der Blutdruck oder unsere Gehirnströme. Diese Prozesse werden natürlich auch von unserem Körper kontrolliert und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst - nur für uns unbemerkt. Daher nahm man lange Zeit an, dass es auch keine Möglichkeit gibt, sie zu beeinflussen. Mit modernster Technik, können heute die unbewussten Körperabläufe genau bestimmt und erfahrbar gemacht werden. Damit - so wird angenommen - sind diese komplexen Regulationsmechanismen auch korrigierbar. Die Technik, mit der ein normalerweise unbewusster, körperlicher Vorgang als sichtbares, hörbares oder tastbares Signal übermittelt wird, nennt man Biofeedback.

 

Den Kopfschmerz besiegen

Bei der Migräne, mit immer wiederkehrenden, schweren, oft pochenden, meist einseitigen Kopfschmerzen, geht man davon aus, dass der Grund des Kopfschmerzes eine Instabilität der Blutgefäßregulation im Kopf ist. Dadurch kann es sowohl zu einer überstarken Verengung als auch zu einer überstarken Erweiterung der Gefäße kommen, die zusätzlich auch noch von Entzündungsprozessen in den Gefäßwänden begleitet sein können, erklärt Univ. Prof. Elisabeth Groll-Knapp vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien. Dieser Instabilität der Blutgefäß kann nun mit Biofeedback entgegengewirkt werden, ähnlich wie es moderne Medikamente auf chemischem Weg auch tun. Als Biosignal dient zum Beispiel die an der Schläfenarterie gemessene Durchblutung. Das Rückmeldesignal kann zum Beispiel ein Kreis oder ein dreidimensionaler Ring sein, der dem Patienten auf dem Bildschirm dargeboten wird. Ziel der Biofeedback-Therapie ist, die Gefäßweite zu beeinflussen. Dazu muss der Übende lernen, durch Gedanken, Gefühle und Stimmungen Körperprozesse auszulösen, die zu einer Veränderung der Blutgefäßweite und damit zu einer Veränderung der Durchblutung führen. Wie gut dem Patienten die Veränderungen des Durchmessers der Schläfenarterie gelingt, zeigt sich am Bildschirm durch die Verkleinerung oder Vergrößerung des Ringes. Erfahrungsgemäß sprechen manche Migränepatienten sehr gut auf ein Biofeedback-Training an und können oft schon nach sechs bis zehn Biofeedback-Sitzungen Migräneattacke erfolgreich abwehren. Allerdings, gibt Groll-Knapp zu, gibt es auch andere Patienten, bei denen wesentlich mehr Biofeedback-Sitzungen notwendig sind. Hilfreich für das Erlernen der dafür notwendigen Technik ist auch, wenn der Patient bestimmte Verhaltenstechniken zu Hause übt.

Die besten Ergebnisse mit einem Biofeedback-Training werden bei Spannungskopfschmerz erzielt. Beim Spannungskopfschmerz können Schmerzen an wechselnden Kopfstellen auftreten. Univ.- Prof. Peter Wessely von der Kopfschmerzambulanz der Universitätsklinik für Neurologie dazu: "Mittels Biofeedback lernen die Patienten die willentliche Kontrolle der Muskelentspannung, Atmung, wie auch die Kopfblutgefäße zu beeinflussen. Nach Abschluss des Trainings können die erlernten Kontrollmechanismen dann gezielt im Alltag eingesetzt werden. Das bedeutet eine signifikante Schmerz- und Anfallsreduzierung, die sich unmittelbar in der steigenden Lebensqualität der Betroffenen auswirkt".

Blutdruck-Feedback

Blutdruck-Feedback setzt bei der Erkenntnis an, dass Bluthochdruck in bestimmten Situationen, zum Beispiel bei Stress, entsteht. Daher wird der Arzt in einem ersten Schritt im Patientengespräch die entsprechende Situation abklären. Während der Sitzung werden dann Herzfrequenz und Blutdruck gemessen und sofort sekundengenau auf einem Monitor dargestellt. Stabile Blutdrucksituationen erscheinen beispielsweise als graue Balken; sinkender Blutdruck ist als blauer Balken sichtbar, steigender Blutdruck rot markiert. Der Patient erkennt auf diese Weise genau die Hintergründe seines Bluthochdrucks. Im weiteren Verlauf der Behandlung lernt der Patient, die Ursachen außergewöhnlich starker Blutdruckschwankungen zu beeinflussen. Anreiz dazu kann ein computergestütztes Belohnungssystem sein: Ein Kontostandsfenster vergibt Pluspunkte, wenn der Blutdruck hinuntergeht und Minuspunkte für steigende Tendenz.

Muskeltraining und Elektrostimulation

Mit Biofeedback gut behandeln lässt sich auch Stressinkontinenz. In diesem Fall übernimmt das Biofeedbackgerät die Funktion eines sensiblen Sinnesorgans, das die Muskeltätigkeit im Beckenbereich genau beobachtet. Die Verbindung zwischen Körper und Technik wird über Sensoren hergestellt. Die Rückmeldung - das Feedback - erfolgt je nach Gerät sichtbar, hörbar oder tastbar. Beim Training einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur führt das Gerät dem Übenden das Ergebnis der Übungsschritte - das heißt die jeweilige Muskelspannung - vor Augen. Die Rückmeldung kann sofort in bewusste Korrekturen und Verbesserung des Übungsergebnisses umgesetzt werden. Bei leichter Drang- und/oder Stressinkontinenz kann auch die Elektrostimulation helfen. Dabei stimulieren Stromimpulse in einer bestimmten Stärke und Frequenz Beckenbodenmuskulatur und Blasenschließmuskel und kräftigen sie auf diese Weise.

Biofeedback steigert die Konzentration

Auch hier sitzt der Patient vor einem Bildschirm, auf dem ein Computerspiel abläuft. Gleichzeitig ist er über das Biofeedback-Steuergerät mit einer EEG (Elektroenzephalogramm)-Ableitung verbunden. Das Computerspiel schaltet sich ein, wenn der Patient sich bestmöglich konzentriert; schweifen allerdings die Gedanken ab, bleibt es stehen. Auf diese Weise wird das Spiel durch die Hirnströme gesteuert. Der Patient lernt dadurch sich zu konzentrieren und dass Konzentration zu einem Spielerfolg führt. Die EEG-Biofeedback-Therapie wird mit gutem Erfolg zur Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsproblemen und bei hyperaktiven Kindern angewendet. Die Art der Rückmeldung über ein Computerspiel ist bei den jungen Patienten sehr beliebt. Aber auch ganz "normale" Personen können von einem auf sie abgestimmten Biofeedback-Training, etwa einem Konzentrations- oder Anti-Stresstraining profitieren. Stress ade Stress und Hektik stehen heute im Berufsleben auf der Tagesordnung und sind neben falscher Lebensführung oft die Ursache für viele nicht genau bestimmbare Beschwerden. Es gilt daher zu lernen, Stress abzubauen. Auch dafür bietet sich Biofeedback an. Der Patient sitzt dabei in einem bequemen Entspannungsstuhl, die Sensoren zur Messung von Puls, Hautdurchblutung und der allgemeinen Anspannung beziehungsweise Entspannung (Atmung, Schweißsekretion) werden angebracht. Eine CD mit Übungen zum Beispiel Autogenen Training oder Muskelentspannung wird in das CD-ROM-Laufwerk des PCs eingelegt, die Sensoren angeschlossen und das Entspannungstraining gestartet. Angenehme Musik und Anweisungen zur Entspannung kommen aus den Kopfhörern. Gleichzeitig verändern sich am PC-Bildschirm Farbmuster, die den Entspannungszustand anzeigen. Der Fortschritt wird sichtbar und motiviert zum Weitermachen. Ein Ausdruck am Ende des Trainings zeigt klar den Entspannungsgrad, der während des Trainings erreicht wurde.

Dauer und Kosten des Biofeedback-Trainings

Bei schweren Erkrankungen muss vor Beginn des Trainings durch eine sorgfältige medizinische und psychologische Untersuchung abgeklärt werden, ob Biofeedback eventuell ergänzend zu anderen medizinischen Behandlungsmethoden eingesetzt werden kann, informiert Groll-Knapp. Wie lange dann ein Training dauert, hängt von der zu behandelnden Krankheit ab. Die meisten Schmerzsyndrome können in 10 bis maximal 20 Sitzungen behandelt werden. Bei neurologischen Störungen (Lähmungen, Tortikollis...) sind erfahrungsgemäß mehrere Sitzungen notwendig. Doch es gibt auch Menschen, die die Biofeedback-Techniken nicht erlernen, weiß Groll-Knapp zu berichten. Biofeedback sei ein Prozess der Selbstheilung bei dem der Patient intensiv mitarbeiten muss. Gelingt ihm das nicht, hapert es auch mit der willentlichen Beeinflussung. Gleiches gilt, wenn der Übende keinen Zugang zu dieser Methode hat. Ob der Patient auf Biofeedback anspricht oder nicht kann spätestens nach der sechsten Sitzung festgestellt werden. Eine Biofeedback-Sitzung von 50 Minuten Dauer kostet zwischen 800 und 1200 Schilling wobei manche Privatversicherungen einen Teil der Behandlungskosten übernehmen. Bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen kann Biofeedback im Rahmen einer Psychotherapie angewendet werden. In diesem Fall gewähren die Krankenkassen einen Zuschuss. Erfolgt Biofeedback-Training oder Biofeedback-Therapie an einer Klinik oder in einem Spital, entweder stationär oder ambulant, wird diese Leistung in der Regel nicht gesondert verrechnet.

Irmgard Inführ /Jänner 2001