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Geheimcode E-Nummern

Was sind und warum E-Nummern?

Wir alle kennen die teilweise undefinierbaren Verpackungsaufschriften von unseren Einkäufen im Supermarkt. Und obwohl wir sie nicht verstehen sind sie das Ergebnis intensiver Bemühungen um Klarheit und Vereinfachung für die Verbraucher! Dabei steht das "E" für Europa und gilt mit der nachfolgenden Nummer als international anerkannter Code für zugesetzte Substanzen. Auch Länder, die nicht der EU angehören, wie unter anderen die Schweiz, verwenden das E-Nummern-System. Mit den Zusatzstoffen wollen die Lebensmittelerzeuger, die · Haltbarkeit der Lebensmittel garantieren, · das Aussehen verbessern und/oder · das Aroma und den Geschmack erhalten.

ADI-Wert und Höchstmengen

Zusatzstoffe müssen gesundheitlich unbedenklich sein. Dafür hat der Gesetzgeber sogenannte Höchstmengen festgelegt. Der Festlegung einer Höchstmenge geht ein langwieriges Stufenverfahren voraus. Am Anfang stehen Tierfütterungsversuche zur Ermittlung der nebenwirkungsfreien Dosis NEL (No Effect Level) der Einzelsubstanz. Über weitere Sicherheitsabschläge wird der sogenannten ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) ermittelt. Unter dem ADI versteht man die Dosis einer bestimmten Substanz, die ein Mensch lebenslang jeden Tag ohne gesundheitliche Schäden aufnehmen kann. Der ADI-Wert wird in Milligramm je Kilogramm Körpergewicht angegeben, da zum Beispiel Erwachsene mehr von einem bestimmten Stoff vertragen als Kinder. Der ADI-Wert ist nicht gleichbedeutend mit der gesetzlich verankerten Höchstgrenze. Diese ergibt sich erst über weitere Zwischenstufen mit Sicherheitsspannen, wobei die maximale Aufnahme eines Zusatzstoffes bei normaler Mischkost berücksichtigt wird. Das strenge Prüfverfahren soll sicherstellen, dass selbst bei extrem einseitiger Ernährung keine gesundheitliche Gefahr durch Zusatzstoffe in Lebensmittel besteht.

Lebensmittelallergien und -intoleranzen

Es ist vor allem das Krankheitsphänomen Allergie, das Verbrauchern die Zusatzstoffe suspekt macht. Gründe dafür sind: · Die Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen ist unsicher - trotz scheinbar großer Sicherheitsspannen. · Das Zusammenwirken natürlicher Inhaltsstoffe mit zugesetzten Substanzen und den unerwünschten Begleitstoffen ist selten bekannt. Ebenso, welche Aus- und Wechselwirkungen die entstehenden Abbauprodukte der Zusatzstoffe in unserem Körper haben. · Der ungebrochene Trend zu vorgefertigten Speisen führt zu einer Anhäufung der Zusatzstoffe, die nicht mehr kalkulierbar ist und durchaus zur Überschreitung des jeweiligen ADI-Wertes führen kann. Derzeit überprüfen Wissenschaftler weltweit das ADI-Konzept und diskutieren Möglichkeiten, wie die gesundheitliche Risiken verschiedener Lebensmittelinhaltstoffe und -zusätze besser abgeschätzt werden könnten. Wie sich dabei zeigt, wird es jedoch bei den meisten derzeit festgelegten Tagesmengen zu keiner Änderung kommen - selbst wenn bestimmte Lebensmittel mit Zusatzstoffen überdurchschnittlich viel verzehrt werden. Bei einigen wenigen Zusatzstoffen besteht allerdings nach österreichischen Untersuchungen das Risiko, den ADI-Wert zu überschreiten. Das betrifft jedoch in erster Linie Personengruppen mit speziellen Verzehrgewohnheiten und in bestimmten Lebenssituationen (z.B. Schwangerschaft).

In der Tabelle sind die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst.

Zusatzstoff Betroffene Bevölkerungsgruppe
E 220-224 (Schwefeldioxid und Sulfite, die als Konservierungsmittel eingesetzt werden) Fast alle Altersgruppen, da in vielen Lebensmitteln enthalten
E 321 (Butylhydroxytoluol, BHT - ist nur für Kaugummi zugelassen 6-12jährige, 15-25jährige
E 416 (Karaya - enthalten in Knabbererzeugnissen auf Getreide und Kartoffelbasis, Eierlikör und Saucen) 6-19jährige
E 432-436 (synthetisch hergestellte Emulgatoren - enthalten in feinen Backwaren, Speiseeis, Desserts, etc.) 6-25jährige und Schwangere
E 473-474 (Zuckerester der Fettsäure und Zuckerglyceride - enthalten in feinen Backwaren, fertigen Kuchenmischungen...) alle Altersgruppen
E 481-482, enthalten in Toast und Weichbrötchen fast alle Altersgruppen
E 483 (Stearyltartrat - kommt in englischen Spezialitäten vor) 6-12jährige, 20-35jährige
E 492 in Backwaren und Füllungen alle Altersgruppen
E 554-559 (finden sich in Trockenlebensmittel in Pulverform, Kochsalz, Nährstoffzusätze, Zuckerarten) alle Altersgruppen

Riskante Lebensmittel-Zusatzstoffe

Farbstoffe

Es gibt sie, die Zusatzstoffen, bei denen ein gewisses Risiko nicht bestritten werden kann. Dazu zählen vorrangig einige Azofarbstoffe (= Indanthren), die vor allem allergische Reaktionen auslösen können. Die möglichen Missetäter verstecken sich hinter den E-Nummern E 102, E 104, E 110 sowie E 122 bis 127. Besonders häufig kommt es zu allergischen Reaktionen bei Tartrazin-Gelb (E 102). Betroffen davon sind zu einem hohen Prozentsatz Menschen, die auf Acetylsalicylsäure (Wirkstoff von Aspirin) sowie auf natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommende Salicylate allergisch reagieren.

Konservierungsmittel

Im Kampf gegen Schimmel, Bakterien und Co. und für eine längere Haltbarkeit werden Konservierungsstoffe eingesetzt. Sie schützen uns vor Erkrankungen durch verdorbene Lebensmittel, wie Fäulnis, Schimmel usw. und Lebensmittelvergiftungen. Das hat seinen Preis. Einmal mehr müssen besonders Allergiker, Asthmatiker und Leberkranke auf diese Substanzgruppe achten. Besondere Vorsicht empfiehlt sich gegenüber Nitritpökelsalz (Natriumnitrit) und Schwefelverbindungen (E 220-228). Nitrit wird heute von vielen Fachleuten und Verbrauchern auch wegen der möglichen Bildung von krebserregenden Nitrosaminen im menschlichen Körper abgelehnt. Aus hygienischen Gründen will man jedoch auf diesen Stoff nicht verzichtet. Nitrit hat eine stark bakterientötende Wirkung und unterdrückt vor allem bei luftdicht verpackten Fleischwaren das Wachstum von Botulismuserregern, die lebensgefährliche Nahrungsmittelvergiftungen hervorrufen können.

Was können wir als Verbraucher tun?

Schon die Fülle des Angebots bringt es mit sich, dass gesundheitsbewusster Einkauf in Zukunft immer schwieriger wird. Als konsumbewusste Verbraucher sollten wir daher

  1. beim Einkauf immer einen Blick auf die Zutatenangabe werfen! Sie enthüllt nicht alles aber vieles.
  2. Wählen Sie bevorzugt Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft!
  3. Meiden Sie als Allergiker alle synthetischen Farbstoffe, vor allem Tartrazin (E 102)!
  4. Entwickeln Sie sich zum kritischen, selbstbewussten Käufer! Da die Nachfrage das Angebot regelt, verändert unser Kaufverhalten oft schneller das Herstellerverhalten als gesetzliche Regelungen.

Quellen:
Gezielt einkaufen!
Zusatzstoffe in Lebensmitteln. Gabriele Sparrenberger, Marlies Kelzenberg, 2000 Mosaikverlag München, ISBN 3-576-11373

E-Nummern Zusatzstoffe in unseren Lebensmitteln.
Prof.Dr. Ibrahim Elmadfa, Prof.Dr. Erich Muskat, Dipl.oec.troph. Doris Fritzsche GU Kompass ISBN 3-7742-2320-3

Irmgard Inführ/Dezember 2000