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Honig

Für ein halbes Kilogramm Honig müssen die Bienen eine Flugstrecke von 120.000 Kilometer fliegen. Dabei sammeln sie den Nektar von 7,5 Millionen Blüten. Eine beeindruckende Leistung, doch erklärt sie den Mythos des Naturheilmittels Honig?

Honig, so sagt man, vermag das müde Herz durch raschen Aufbau der Zuckerreserven zu kräftigen, zum Beispiel zu Beginn einer Herzschwäche beim Altersherzen. Weiters eine schlechte Durchblutung des Herzens zu bessern oder Unregelmäßigkeiten in der Herzschlagfolge abzubauen. Der Honig wirke stabilisierend auf den Blutdruck und normalisierend auf den Kreislauf.
Honig soll weiters die Heilung bei Mandelentzündungen begünstigen, sowie sich vorteilhaft auf rheumatische Erkrankungen, Entzündungen des Nierenbeckens und der Blase auswirken. Honig wird weiters empfohlen bei Müdigkeitszuständen jeder Art, Appetitlosigkeit, Verdauungsproblemen, Darminfektionen, Anämien, Nervosität, Schlaflosigkeit, bei einer Reihe von Hauterkrankungen, bei Leber- und Gallenerkrankungen und natürlich auch Fieber.

Inhaltsstoffe des Honigs

Wissenschaftlich lassen sich diese Aussagen laut Professor Dr. Wolfgang Marktl, vom Institut für medizinische Physiologie der Universität Wien nicht untermauern. Seiner Meinung nach ist Honig nur ein gesundes Nahrungsmittel, das die Vitamine B1, B2, B6 und C enthält, ferner Nikotinsäure und Pantothensäure sowie Spuren von Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Eisen, Kupfer, Phosphor, Schwefel und Chlor.

Anhänger der Naturheilkunde hingegen sehen die Sache anders. Ihrer Meinung nach enthalten natürliche Heilmittel, wie auch der Honig, eine sehr große Zahl unterschiedlichster Stoffe, die gerade in ihrer besonderen Kombination ihre charakteristische Wirkungen entfalten. Sie wissen auch um die Probleme der Wissenschaft, die komplizierten Wechselwirkungen - von mitunter hunderten von Stoffen! - eines Naturheilmittels exakt zu beschreiben und verlassen sich daher bei Naturheilmitteln mehr auf Erfahrung und genaue Beobachtung.

In Griechenland, wo Honig ein bewährtes Hausmittel gegen Verstopfung ist - man trinkt ein bis zwei Eßlöffel Honig aufgelöst in einem Glas warmen Wasser - wollte man es genau wissen. Ein griechisches Forscherteam verabreichte zwanzig gesunden Freiwilligen auf nüchternen Magen einen Honigtrunk oder zum Vergleich eine Zuckerlösung. Anschließend wurden die Testpersonen im Labor untersucht. Dabei zeigte sich, daß im Durchschnitt etwa zehn Prozent des Honigs unverdaut den Darm passierte.
Honig ist ein Gemisch aus Trauben- und Fruchtzucker. Der Darm nimmt Traubenzucker sehr schnell auf, Fruchtzucker deutlich weniger gut. Da schlecht verdauliche Nahrungsbestandteile die Darmtätigkeit anregen, ist dies möglicherweise der Grund für die abführende Wirkung des Honigs. Übrigens Blütenhonig wirkte stärker abführend als Waldhonig, da er mehr Fruchtzucker enthält.

Wie auch immer. Honig zählt zu den ältesten Nahrungs- und Heilmitteln der Menschheit. Schon bei den Kulturvölkern des Altertums war er sehr geschätzt. Schon vor 4000 Jahren befaßte man sich in Ägypten mit der Bienenzucht und schätzte die lebensverlängernde Wirkung des Honigs.

So entsteht der Honig

Honig wird von den Bienen produziert. Dabei nehmen die Arbeitsbienen mit ihrem Rüssel den Nektar und Honigtau aus den Pflanzen auf. Diese Zuckerlösungen, die hauptsächlich aus Saccharose in Wasser gelöst bestehen, vermischen sie mit körpereigenen Stoffen und wandeln sie in eine konzentrierte Lösung aus einfachen Zuckern um, den Honig, der nun in den Honigwaben im Bienenstock eingelagert wird. Sobald diese voll sind, werden sie mit einem dünnen Wachsdeckel verschlossen. Dort reift der Honig bis ihn der Imker erntet. Das ist in der Regel nach einer Blütezeit, wenn drei Viertel der Honigwaben verschlossen sind.

Bei der Ernte werden die Waben aus dem Bienenstock entnommen und die verdeckelten Wachszellen geöffnet. Darauf folgt die Schleuderung des in den Zellen befindlichen Honigs mit einer Zentrifugalschleuder. Der Honig wird gesiebt, bevor er in einem Reifebehälter gelagert wird.

Eigenschaften

Honig ist im frischen Zustand klar und flüssig. Er wird jedoch durch Kristallisation des in ihm enthaltenen Traubenzuckers leicht körnig, trübe und schließlich fest. Wollen Sie Ihren kandierten Honig jedoch lieber flüssig haben, stellen Sie das Glas einfach etwa eine halbe Stunde lang in einen Topf mit gerade noch lauwarmem Wasser. Auf keinen Fall zu heiß, denn Honig ist wärmeempfindlich.
Honig zieht zudem Wasser an und nimmt leicht fremde Gerüche an. Er sollte daher immer trocken, gut verschlossen und dunkel aufbewahrt werden. Da Honig natürliche Säuren enthält sollte man nicht den Löffel darin stehen lassen.

Es gibt viele Honigsorten

Die Farbe des Honigs richtet sich nach geographischer und pflanzlicher Herkunft. Waldhonig hat einen höheren Mineralstoffanteil als Blütenhonig, der allerdings wieder mehr Vitamine enthält. Geruch und Geschmack sind würzig bis aromatisch und werden von der Herkunft, aber auch von der Art der Gewinnung bestimmt. Die teuersten Honigsorten sind die, von denen nicht unbegrenzte Mengen angeboten werden können, zum Beispiel Tannenhonig, Heidehonig und solche, die man nur als Spezialität kaufen kann. Sortenhonige, wie Akazienhonig, Linde und Orange gehören zur mittleren Preisklasse. Am preiswertesten sind Mischblütenhonige. Sie enthalten eine Vielzahl von Bestandteilen und sind nach Meinung von Imkermeister Gerhard Krenn, vom Niederösterreichischen Imkerverband, vom Standpunkt der Gesundheit betrachtet, die wertvollsten.

Akazienhonig wird manchmal auch als "Diabetikerhonig" bezeichnet, weil er verstärkt über die Leber abgespeichert wird, und erst von dieser aus ins Blut übergeht. Trotzdem sollte ein Diabetiker Honig, egal welche Sorte, nur nach ärztlicher Konsultation zu sich nehmen, rät Krenn.

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Honigprodukte

Propolis (Bienenkittharz)

Propolis hat antibiotische, starke anästhetische, beträchtliche wundenverschließende und entzündungshemmende Eigenschaften. Zudem wird Propolis ein positiver Einfluß auf gewisse immunologische Vorgänge nachgesagt und daraus resultierend eine Stärkung der Abwehrkräfte.
Propolis wird in Alkohol gelöst angeboten und in der Naturheilkunde zur Stärkung des Immunsystems, speziell zur Vorbeugung und Heilung von Erkältungskrankheiten, bei innerlichen und äußerlichen Entzündungen mit Erfolg angewendet.


Met (Honigwein)

Met enthält alle die wertvollen Inhaltsstoffe des Honigs. Darüber hinaus wird durch den im Gärprozeß erzeugten Alkohol Propolis aufgenommen, das in dem leicht alkoholischen Getränk in geringen Mengen gelöst sein positive Wirkung im menschlichen Organismus entfalten kann.
Sebastian Kneipp schreibt über Met: "Mut tut viel Gutes, er bewirkt einen guten Appetit, fördert die Verdauung, reinigt und stärkt den Magen, schafft ungesunde Stoffe weg, befreit von dem was für den Körper nachteilig ist. Seine Wirkung ist günstig für das Blut, die Säfte, Nieren und Blase, weil er überall reinigt, auflöst und ausleitend wirkt."

Gelée royale

Gelée royale, Königinnenfuttersaft, ist ein natürliches Produkt der Kopfdrüsen der Honigbienen, das der Ernährung der Königinnenlarven und der Bienenkönigin dient. Das Gelée royale bestimmt ein befruchtetes Bienenei zur Königin, indem die Königinnenlarven während der ganzen Entwicklungszeit mit Gelée royale gefüttert werden. Arbeitsbienen bekommen Gelée royale nur 2 1/2 Tage. Auch die erwachsene Königin erhält zeitlebens Gelée royale. Sie wächst dadurch schneller, wird größer und erreicht das "hohe" Alter von fünf Jahren, während die Arbeitsbiene nur wenige Wochen lebt.
Gelée royale enthält zahlreiche wertvolle Wirkstoffe, besonders Vitamine. Es wird zu Pillen, Pasten und Salben verarbeitet und soll eine allgemein anregende Wirkung auf den Gesamtstoffwechsel des Menschen haben.

Pollen

Der Pollen besteht aus einer Vielzahl von mikroskopisch kleinen Körnchen, die sich in den Staubbeuteln der Blüte befinden und den männlichen Samen dieser Blüte darstellen. Diese Körnchen werden von den Bienen mit ihren Hinterbeinchen zu einer Kugelform gedreht und in den Bienenstock gebracht. Der Pollen ist eines der Naturprodukte mit dem höchsten Anteil an lebensnotwendigen Aminosäuren. Er enthält alle Bausteine, die der Organismus nicht selbst herstellen kann, und die ihm mit der täglichen Nahrung zugeführt werden müssen. Das macht den Pollen zu einer idealen Nahrungsergänzung.


Bienenwachs

Das Wachs wird in den Wachsdrüsen der Arbeitsbienen gebildet, die sich am Bauch der Bienen befinden. In den Drüsen ist das Wachs in flüssigem Zustand, doch verfestigt es sich in Blättchenform beim Austritt und beim Kontakt mit der Luft. Das Wachs wird unter anderem zum Bau der Waben verwendet.
Bienenwachs wurde schon in der Antike als Einbalsamierungsmittel geschätzt. Heute findet sich Bienenwachs in Poliermitteln und wird zu Kerzen verarbeitet.
Von den Menschen wird der Genuß von Wachs in Verbindung mit Wabenhonig wegen seiner antibiotischen Wirkung geschätzt. Die Imkerei nennt das auch Bienenbrot. Meist sind im Bienenbrot sehr viel Pollen und leichte Anteile von Propolis und Honig enthalten.

Ungefährlich für die Zähne

Völlig unbedenklich hingegen ist Honig für die Zähne. Überrascht? Versuche in der Schweiz und Deutschland haben gezeigt, Karies hat wegen der antibiotischen Wirkung des Honigs keine Chance. "Das dürfte den meisten Zahnärzten nicht bekannt sein", bedauert Krenn.

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Haben Sie Lust auf Honig bekommen? Nur zu, sie tun damit ihrem Körper nur Gutes. Und vielleicht liegen die vielen Heilwirkungen, die nach Honiggenuß beobachtet und über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation überliefert wurden, in der für den menschlichen Organismus optimalen Nährstoffzusammensetzung des Honigs. Obwohl viele Wirkmechanismen des Honigs medizinisch nur unzureichend oder gar nicht geklärt sind, so ist doch erwiesen, daß Honig auf verschiedene Organe positive Wirkungen hat