Zur Übersicht Leseproben

Banken entdecken Kundennähe

Man glaubt Österreichs Banken verdienen mit ihren Geldgeschäften genug. Stimmt nicht. Im europäischen Durchschnitt liegen die Erträge der heimischen Geldinstitute weit hinten und auch die Zukunft verspricht nichts Gutes.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird den Banken die lukrative Privatkundschaft abhanden kommen, sagen Bankfuturologen voraus. Achtzig Prozent der Geschäfte, die jetzt noch über die Bankschalter in den Filialen laufen, werden in elektronische Kanäle abwandern. Immer mehr Kunden werden das öffnungszeiten- und filialunabhängige Telefonservice nutzen, mittelfristig werden dann Bankgeschäfte auch vermehrt über PC und Internet sowie multimediale Fernsehgeräte und Web-TV abgewickelt werden.

Auch wenn es nicht gleich so dick kommt, für Österreichs Banken werden die Zeiten härter. Und immer noch klammert man sich an die üblichen starren Öffnungszeiten! Trotzdem kommt Bewegung in die Szene. So kündigte die größte heimische Bank an, künftig auch branchenfremde Einmieter wie Bäcker oder Copyshops in ihren Bankfilialen zuzulassen. Kurz darauf war es dann auch so weit: verkauft wurden Computer samt Software, Servicepaket einschließlich Finanzierung. Die Bank Austria verfügt über das dichteste Filialnetz in Österreich. Das ist kostspielig. Die Kosten für die Bankfilialen müssen daher in den nächsten drei Jahren herunter, beschloß die Unternehmensleitung. Das geplante Einsparungsziel sieht jährlich fünf Prozent vor. Um das zu erreichen, bedarf es einiger Phantasie. Doch getreu dem Motto: "Der Zweck heiligt die Mittel" ist fast alles erlaubt, was Erfolg verspricht. So werden Zweigstellen, die es nicht bringen, in SB-Filialen umgebaut oder nur noch halbtags geöffnet. Gemeinsam mit einem Versicherungsunternehmen tüftelt man an einem mobilen Außendienst mit unabhängigen Finanzberatern. Kann doch ganz gemütlich sein, wenn der Außendienstmitarbeiter der Bank ins Haus kommt und am Wohnzimmertisch sitzend mit seinem Laptop über Hypothekarkredite, Vorsorgepläne und Wohnbaufinanzierungen informiert. Und es geht noch weiter...Demnächst wird in drei BA-Filialen ein Bäcker seine Brötchen verkaufen und ein Versicherungsunternehmen eigene Nischen einrichten. Mit weiteren Untermietern - Copysshops, Schmuckketten und Softwarehändlern - wird verhandelt.

"Die Banken müssen dorthin, wo die Kunden sind", rät Beat Bernet, Professor für Bankbetriebslehre an der renommierten Schweizer Universität St. Gallen. Sie müssen offener werden, Erlebniswelten bieten, sich an praktischen Bedrüfnissen orientieren. Erste zaghafte Schritte in diese Richtung macht die Raiffeisenlandesbank Wien und öffnet für Schwerpunktaktionen ihre Bankfilialen auch an Samstagen.

Beim Event "Vorsorge" beispielsweise wurde grüner Tee gereicht, sowie eine wohltuende Massage und Entspannungsübungen angeboten. Nebenbei plauderte man über die finanzielle Alterssicherung. Doch der Geschäftsleitung ging es um mehr: Zum einen wollte sie für die Kunden da sein wenn diese Zeit und Muse für eine eingehende Beratung haben. Zum anderen sollten damit die starren Banköffnungszeiten durchbrochen werden. Sicherlich ein wichtiger Schritt hin zu mehr Kundennähe.

nach oben