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Schattenwirtschaft

Weltweit lukriert die Schattenwirtschaft jährlich 100 Billionen Schilling. Diese gigantische Summe muß man sich einmal bildlich vorstellen: 100 000.000.000.000 Schilling! Verdient wird sie in den Industriestaaten hauptsächlich mit Schwarzarbeit, in den Entwicklungsländern überwiegend mit dem Glücksspiel, Drogenhandel oder der Prostitution.

1995 wurden in Österreich wurden 170 Milliarden Schilling im "grauen Sektor" umgesetzt. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Ausfälle bei der Einkommens- und der Mehrwertsteuer sowie der Sozialversicherung betrug damals nach einer Studie der Universität Linz 75 Milliarden. 1997, zwei Jahre später, betrugen die Ausfälle schon über 200 Milliarden Schilling. Das sind fast zehn Prozent des Brutto-Inland-Produktes (BIP). Tendenz weiter steigend, wie überall in Europa auch.

Weltmeister im Steuerhinterziehen sind Nigeria und Thailand wo geschätzte 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes am Staat vorbeigeschleußt werden. Und während in den Industriestaaten die "Schwarzarbeit" für Ausfälle im Staatssäckel sorgt, wird Schwarzgeld dort vorwiegend in der Spiel- Drogen- und Sexindustrie erwirtschaftet.

In den reichen Ländern besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Schattenwirtschaft und Abgabenbelastung. Italiener und Belgier müssen an die 70 Prozent ihres Einkommens dem Staat abführen. Das verleitet dazu, sich "die Sache zu richten". Beide Länder sind europäische Spitzenreiter im Steuerhinterziehen.

Steigende Belastung durch höhere Steuern und Sozialabgaben dürfte auch in Österreich der Hauptgrund für das Ansteigen der Schwarzarbeit sein. Damit ist auch schon ein wirksames Mittel zur Eindämmung angesprochen: Steuern senken, vor allem die Arbeitskosten. Allerdings ganz verschwinden wird der "Pfusch" nicht - das soll er auch nicht. Zwar können die meisten Arbeiten können im Prinzip von professionellen Gewerbetreibenden und Dienstleistern erbracht werden, wegen der hohen Lohnnebenkosten jedoch nur zu einem wesentlich höheren Preis. Das wollen oder können sich die meisten Menschen aber gar nicht leisten. Ein gutes Beispiel sind die Häuslbauer: Zu offiziellen Baumeisterpreisen würden vermutlich acht von zehn Häuseln nicht entstehen. Das bekämen wiederum die Baustoffhändler schmerzhaft zu spüren. Doch auch der Staat müßte auf die anteiligen Umsatzsteuereinnahmen verzichten. Der Schluß liegt also nahe, daß diese Form der Schattenwirtschaft - wenigstens was die Bauwirtschaft betrifft - volkswirtschaftlich gesehen gar nicht so schlecht ist.

Auch in der Studie über den volkswirtschaftlichen Schaden der Schattenwirtschaft der Universität Linz wird darauf hingewiesen, daß 70 Prozent des "schwarz" verdienten Geldes "inländisch wirksam" werden, also durch Einkäufe wieder in den offiziellen Wirtschaftskreislauf fließen. Das restliche Drittel - rund 60 Millliarden -, die dem Finanzminister an Steuergeldern entgehen ist in etwa der Betrag, der derzeit im Budget fehlt.

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