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Überlegungen vor der Operation
Hautabschleifungen, Unterspritzungen, Facelift
Wie gefährlich sind Brustimplantate?
Wann zahlt die Krankenkasse?
Was ist punkto Schönheit von der Gentechnik zu erwarten?
Beispiele
für Eingriffe im Bereich der Schönheitschirurgie

Schönheitsoperationen

Jahr für Jahr begeben sich mehr Österreicher unters Messer, um schöner, schlanker und jünger auszusehen. Die Palette reicht von Brustkorrekturen über Fettabsaugen bis hin zum Facelift. Auch immer mehr jüngere Menschen lassen sich operieren. Sind es bei ihnen vorwiegend Nase oder Ohren, die am Selbstwertgefühl kratzen, geht es bei den 45- bis 75jährigen darum, die Folgen der Hautalterung loszuwerden: Augensäcke, Schlupflider, Hängebacken, Doppelkinn, erschlafftes Gewebe - wo auch immer. Zunehmend haben auch Männer an ihrem Aussehen etwas auszusetzen. Ganz oben auf der Liste stehen dabei Korrekturen von Nase und Haarausfall. Allgemeine Tendenz: steigend.
Zu Schönheitskorrekturen, die Möglichkeiten aber auch die Risken oder Nebenwirkungen, hat Medizin populär Univ. Doz. Dr. Herbert Mandl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, befragt.

Medizin populär: Was sollte man sich überlegen, bevor man sich zu einer Schönheitsoperation entschließt?

Doz.Mandl: Zunächst sollte man für sich selbst klären, ob man sich durch den konkreten Zustand so sehr gestört fühlt, daß man auch eventuell auftretende Komplikationen im Behandlungsverlauf in Kauf nehmen würde. Denn Medizin wird am lebenden Organismus praktiziert. Es kann daher gelegentlich auch einmal zu einem unvorhergesehenen Verlauf kommen, selbst bei einem sehr kleinen Eingriff. In der Medizin gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Eingehende Information und Beratung stehen daher am Beginn jeder Behandlung
Weiters ist es gerade in der ästhetischen Chirurgie sehr wichtig, zum behandelnden Arzt Vertrauen zu haben. Dies wird besonders dann von Bedeutung, wenn es Komplikationen gibt. Ist der Arzt nicht ganz überzeugend, sollte eine zweite Meinung eingeholt werden.

M.p.: Gibt es Eingriffe, von denen Sie dringend abraten?

Mandl: Dringlich abzuraten ist vor der Verwendung von flüssigem Silikon, etwa zur Unterspritzung von Falten im Gesicht oder auch zur Brustvergrößerung. Das flüssige Silikon kann eine Reizung des Gewebes hervorrufen und langsam durch die Körperzellen bis in die Lymphknoten weitertransportiert werden, wo es dann zu schmerzhaften Abzessen führen kann. In Europa wird flüssiges Silikon schon seit vielen Jahren nicht mehr verwendet.
Warnen möchte ich auch davor, zur Verbesserung der Körperkonturen - etwa der Vergrößerung der weiblichen Brust - Fettgewebe in größeren Mengen, die Betonung liegt auf größeren, zu verwenden.
Transplantierte Fettzellen können nur dann überleben, wenn sie innerhalb einer relativ kurzen Zeit wieder Anschluß an den Blutkreislauf bekommen. Diese Regenerationsfähigkeit ist nur gegeben, wenn die Schicht, die durchwachsen werden muß, nicht zu dick ist. Nicht versorgte Fettzellen zersetzen sich im Laufe der Zeit und werden zu Öl. Dieses wird vom Körper nicht mehr als körpereigen empfunden. Es kommt zu einer Abstoßungsreaktion. Die Folge können Granulome und Abzesse sein.

m.p.: Wie gefährlich sind Brustimplantate?

Mandl: In den letzten Jahren sind zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt worden, um diese Frage zu klären. Es gibt bis jetzt keinen wissenschaftlich gesicherten Hinweis, daß Silikon krank macht oder gar Krebs erzeugt oder auf andere Weise für den Körper schädlich ist. Diese Botschaft ist für die Frauen sehr wichtig. Ganz besonders für jene, die bereits Silikonimplantate tragen und durch die tendenziöse Silikondebatte in der Öffentlichkeit während der letzten Jahre sehr verunsichert wurden.

m.p.: Wie groß ist die Gefahr, wenn das Implantat platzt?

Mandl: Die klassischen Implantate haben eine gummiartige Silikonhülle, gleichgültig welcher Stoff drinnen ist: Kochsalz, Sojabohnenöl oder Silikon. Die ursprünglichen Implantate waren mit Silikongel gefüllt. Silikon ist eine Substanz, die vom Körper nicht abgebaut wird, die aber dem Körper auch keinen Schaden zufügt. Auch Gold ist eine derartige inerte Substanz. Das Implantat ist auf Grund seiner Herstellung sehr widerstandsfähig. Drücken, Pressen oder Rempeln macht ihm nichts aus. Laufen Sie hingegen mit Wucht gegen eine offene Kastentüre, dann kann durch diese äußere Krafteinwirkung das Implantat einreißen.

m.p.: Ist das gefährlich und was ist in einem solchen Fall zu tun?

Mandl: Mit einer Mammographie, Ultraschall oder Magnetresonanz wird überprüft, ob das Implantat wirklich kaputt ist und das Silikongel daneben liegt. Silikongel, im Gegensatz zu flüssigem Silikon, ist zähflüssig wie alter Honig und klebt mit dem Rest des Implantats zusammen. Es besteht also keine Gefahr, daß es sich im Körper verteilt. Ohne Gefahr für die Patientin hat man durchaus einige Wochen Zeit, um das defekte Implantat auszutauschen.
Der zweiter Grund für den Austausch ist altersbedingt. Man weiß heute, daß die Implantathülle nicht ein Leben lang hält. Nach zehn Jahren sollte man daher jährlich das Implantat kontrollieren lassen.

m.p.: Wann zahlt die Krankenkasse?

Mandl: Einen Brustaufbau, etwa nach einer Tumorentfernung, zahlt - weil medizinisch notwendig - die Krankenkasse. Das gleiche gilt für Rekonstruktionen nach Unfällen und Krankheiten.
Kommt jedoch eine Frau zu mir, der ihre Brüste zu groß erscheinen, kommen wir in den Übergangsbereich zur Schönheitschirurgie. Hat sie dadurch erhebliche Beschwerden im Rückenbereich, übernimmt eventuell die Krankenkasse die Kosten der Brustverkleinerung. Erfolgt jedoch eine Veränderung der Brustform oder Brustgröße (Vergrößerung oder Verkleinerung) ohne Vorliegen von funktionellen Beschwerden, so handelt es sich um reine Schönheitschirurgie. Die Patientin muß den Eingriff selbst bezahlen.
Ähnlich gelagert sind Probleme mit den Lidern. Sind die Oberlider so stark erschlafft, daß sie das Gesichtsfeld einschränken, zahlt die Kasse den Eingriff. Aber nur dann.
Korrekturen der Lider, ohne eine solche Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes, ohne funktionellen Ausfall, sind eine Frage, die der jeweilige Patient entscheidet ob er es machen lassen will.

m.p.: Durch den Alterungsprozeß läßt die Elastizität der Haut nach, die Haut wird schlaff und es zeigen sich Falten. Sie machen seit 25 Jahren Hautabschleifungen. Ist das ein geeignetes Mittel, die Falten wieder zu glätten?

Mandl: Im Prinzip ist Hautabschleifung eineder möglichen Maßnahme, wie die Oberfläche der Haut entfernt, die Haut aber nicht so weit geschädigt wird, daß eine Narbe entsteht. Durch eigene Kraft wächst dann eine neue Hautoberfläche nach, die glatter als die vorhergehende ist. Unregelmäßigkeiten der Hautoberfläche, Aknenarben, Verbrennungs- oder Unfallnarben werden so behandelt.
In die gleiche Richtung zielt die Laserbehandlung wobei mit Laserlichtenergie die Haut in ganz dünnen Schichten verdampft wird.

m.p.: Sind das geeignete Maßnahmen, um dem ganzen Gesicht sein jugendliches Aussehen zurückzugeben?

Mandl: Ja, und auch in Ergänzung zum Facelift. Die Straffung der Haut durch ein Facelift wirkt sich in erster Linie auf die seitlichen Gesichtspartien aus. In den Bereichen Oberlippe, Nase und Kinn wirkt der Zug in der Regel nicht mehr. Hier muß die Glättung der faltig gewordenen Haut mit zusätzlichen Maßnahmen erreicht werden. Dazu zählen Hautabschleifung (Dermabrasio). Chemopeeling und Laserbehandlung (Rejuvenation).

m.p.: Was bringen Unterspritzungen?

Mandl: Unterspritzungen mit Fett oder Collagen dienen dazu, besonders tiefe Falten oder tiefe Narben auszugleichen, sie flacher zu machen.

m.p.: Wie anhaltend ist dieser Effekt?

Mandl: Beide Substanzen halten nur begrenzte Zeit an, da sowohl das Eigenfett als auch das Collagen wieder abgebaut werden. Je nachdem, wie schnell der Abbau erfolgt, hält der Erfolg zwischen sechs und 12 Monate an. Trotzdem ziehe ich diese Methode den Mitteln vor, die "ewig" halten. Miniaturkügelchen aus irgendwelchen Kunststoffen werden nicht von allen Menschen optimal vertragen. Überempfindlichkeitsreaktionen, wie Schwellungen und Rötungen, sind dann die Folge.

m.p.: Wie lange kann man sich an einem erfolgreichen Facelift erfreuen?

Mandl: Ein Facelift stellt den Spannungszustand der Haut beispielsweise wie vor zehn Jahren her. Sie drehen das Rad der Zeit also zurück. Die Tatsache, daß die Haut altert, bleibt jedoch bestehen. Nach einigen Jahren werden daher die Falten wieder mehr geworden sein. Wenn die Operation aber korrekt und gut gemacht wurde, wird der Zustand nicht wieder eingeholt der bestehen würde, wenn nicht operiert worden wäre. Das heißt, eine operierte Frau oder Mann schauen mit 80 immer noch wie 70 aus. Man kann auch durchaus mehrere Facelifts machen lassen.

m.p.: Was bringt der Einsatz des Endoskops (damit werden Strukturen unter der Hautoberfläche am Bildschirm sichtbar gemacht) für die plastische Chirurgie?

Mandl: Endoskopische Behandlungsmethoden erlauben dem Chirurgen, die operativen Zugänge so klein wie möglich zu halten. Der Patient hat weniger Schmerzen, ist wieder schneller auf den Beinen und die Narben sind kaum sichtbar. Beim klassischen Stirnlift wurde ein Schnitt quer über die Scheitelhöhe gemacht - das ist ein Riesenschnitt. Bei der endoskopischen Stirnstraffung kommt man dagegen mit 1 1/2 Zentimeter langen Schnitten aus. Trotzdem muß gesagt werden, es kann nicht alles endoskopisch gemacht werden. Es muß eine sehr gute Auswahl erfolgen. Daran wird derzeit noch geforscht.

m.p.: Was ist punkto Schönheit und Jugend von der Gentechnik zu erwarten? Kann man sich vorstellen, daß es irgendwann eine Creme für ewige Jugend und Schönheit gibt?

Mandl: Ob in der Plastischen Chirurgie andere Wege als operative möglich sein werden, kann ich mir jetzt und mit den derzeitigen Kenntnissen nicht vorstellen. Realistisch erscheint hingegen, daß in Zukunft die Züchtung ganzer, mit den menschlichen Genen kompatible Körperteile, möglich sein wird. Ein Ohr, das dann durch einen Unfall oder eine Verbrennung verlorenging wird nachgezüchtet und anschließend übertragen. Das sind Möglichkeiten, die allmählich greifbar werden.

m.p.: Medizin vermag heute viel und warum diesen Fortschritt nicht auch für Schönheit und Jugend nützen und ist es sinnvoll alles machen zu lassen, was gemacht werden kann?

Mandl: Der verantwortungsbewußte Plastische Chirurg wird dem Patienten bei dessen Entscheidungsprozeß für oder gegen eine bestimmte Operation durch sachkundige Beratung helfen. Wenn eine gewünschte Operation mit der persönlichen Ansicht über sinnvolle Operationen und dem ärztlichen Gewissen nicht vereinbart werden kann, sollte dieser Eingriff abgelehnt werden. Ich weiß aus zahlreichen Diskussionen in unserer Fachgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, von vielen Kolleginnen und Kollegen, daß sie sich so verhalten.
In meinen Augen kann der Wunsch nach einem bestimmten ästhetischen operativen Eingriff nur verstanden werden, wenn man den Begriff Leidensdruck mit ins Spiel bringt. Da gibt zwei Menschen mit der gleichen Nase. Der eine wird 80 und denkt nie an eine Nasenkorrektur. Der andere ist seit der Jugend mit seiner Nase unglücklich, so oft er in den Spiegel schaut. Und das mehrmals am Tag. Irgendwann ist der Druck unerträglich. Er sucht einen plastischen Chirurgen auf und fragt: "Kann man da nicht irgendetwas machen?" Man kann.

m.p.: Herr Dozent Mandl, danke für das Gespräch.


Beispiele für Eingriffe im Bereich der Schönheitschirurgie:

Operationen im Brustbereich
               Brustvergrößerung
               Brustverkleinerung
               Bruststraffung
               Brust-Rekonstruktionen (nach Tumorenfernung)
               Schlupfwarzenkorrektur
Operationen im Kopfbereich
               Facelift (Gesichts- und/oder Halsstraffung)
               Stirnlift
               Lidkorrektur
               Nasenkorrektur
               Ohrenkorrektur
               Wangenkorrektur
               Faltenglättung mit:
               Laser
               Chemo-Peeling
               Hautabschleifung
               Faltenunterspritzung mit
               Collagen, Artecoll, Eigenfett
Operationen im Körperbereich
               Bauchdeckenplastik
               Bauchstraffung
               Fettschürzenbeseitigung
               Oberschenkel-, Gesäßstraffung
               Oberarm-Straffung
               Fettabsaugung an:
               Bauch
               Hüften
               Gesäß
               Oberschenkel
               Knie
               Wade und Fesseln
Wiederherstellung des haartragenden Hautkleides

Kopf

Augenbrauen

Bart