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Xetra ist da

Seit Jahren führt die Wiener Börse ein Schattendasein. Niemand weiß so genau warum. An den dort gehandelten Aktien kann es nicht liegen, die notieren - international gesehen - unter ihren Wert. "Warum also will der Anschluß an den Euromarkt nicht klappen?", fragt sich so mancher und hofft auf den Prinzen, der Dornröschen endlich wachküßt. Ist es Xetra, dem das Kunststück gelingt?

Am 5. November wurde Xetra an der Börse Wien eingeführt. Xetra ist ein System für den Bildschirmhandel mit Aktien und anderen Wertpapieren zwischen den Börsen Wien und Frankfurt. Es ermöglicht Börsenhändlern mittels Knopfdruck, egal wo sie sitzen, den direkten Zugriff zum jeweils anderen Markt. Damit ist die Wiener Börse an den international weitaus attraktiveren Börsenplatz Frankfurt angekoppelt. Das sollte Wien neuen Schwung verleihen. Daß Xetra tatsächlich Licht ins Schattendasein der Wiener Börse bringt zeichnet sich derzeit noch nicht ab. Den 5. November als Starttermin bezeichnen Insider jedenfalls nicht als ideal. Die Jahr-2000-Umstellung wirft ihre Schatten voraus und daher sind die "Ausländer" zwar interessiert, verhalten sich aber abwartend. Sicher ist, daß mit der Einführung von Xetra die Handelszeit verlängert wurde. Handelsschluß ist derzeit 17.30 gegenüber 15 Uhr vorher. Das bedeutet zweieinhalb Stunden längere Arbeitszeiten für die Mitarbeiter in den Wertpapierabteilungen der heimischen Banken, die damit keine rechte Freude haben. Doch für nächstes Jahr wird schon über eine Verlängerung bis 20 Uhr nachgedacht, während Frankfurt bereits jetzt die Ausweitung der Handelszeiten auf 22 Uhr im Visier hat.

Geändert hat sich auch der Kurszettel der Wiener Börse. Zukünftig werden keine deutschen Aktien mehr unter den ausländischen Werten aufscheinen. Mit Xetra ist es nicht mehr nötig, daß deutsche Unternehmen in Wien notieren oder österreichische Unternehmen in Frankfurt gelistet sind. Deutsche Aktien wurden daher von der Liste gestrichen, im Fachjargon wird das Delisting genannt. Die Aktien der Unternehmen aus anderen Staaten sind davon nicht betroffen.

Xetra, der Märchenprinz, der Dornröschen wachküßt? Die Chancen sind gut. Die niedrigen Wiener Aktienkurse haben Nachholpotential. Allein der Rückstand zwischen dem Wiener Leitindex ATX - das ist die Kennziffer, die über die Entwicklung der Wiener Aktienkurse Auskunft gibt - und dem Euroland hat sich von 1994 bis heuer dramatisch vergrößert. Während die Wiener Aktienkurse wieder beim Ausgangspunkt 100 des Jahres 1994 gelandet sind, hat Euroland von 100 auf mehr als 250 Punkte zugelegt. Mit der Freischaltung in Xetra gibt es auf einen Schlag weit mehr Markteilnehmer für Wiener Werte.

Die Enge des Wiener Marktes wurde ja oft auch als Grund dafür angeführt, daß es mit den Kursen nicht so richtig voranging. Mit Xetra darf die seit Jahren vor sich hindösende Wiener Börse auf mehr flüssige Mittel aus dem Ausland hoffen und damit bessere Aktienkurse. Mehr Geld von Anlegern für einen Kapitalmarkt bedeutet Wirtschaftswachstum Denn steigende Aktienkurse bringen den börsennotierten Firmen mehr Geld für Investitionen, was sich dann wieder auf die Arbeitsplätze auswirkt. Wünschen wir also Xetra für die Zukunft alles Gute.

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